Perspektiven von Frauen und Männern für Freiburg
Frauen und Männer haben unterschiedliche Bedürfnisse und Erfahrungshorizonte, die bei allen politischen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen.
Dies gilt für die Gestaltung von Wohnraum und Wohnumfeld (Infrastruktur, wie Einkaufsmöglichkeiten, Grünflächen, Spielplätze, Kitas, Schulen, Anbindung an das Verkehrsnetz, Freizeitflächen und –angebote etc.), ebenso wie für Verkehr (öffentliche Verkehrsmittel, Autos, Fahrräder, Fußwege) und öffentliche Räume (Plätze, Straßen, Fußwege, Parks etc. : z.B. übersichtliche Gestaltung, Beleuchtung), um nur einige Beispiele zu nennen.
Wohnen und Einkommen
Frauen verdienen im Schnitt 23% weniger als Männer, wobei die allein Erziehenden hiervon besonders betroffen sind Wir setzen uns dafür ein, dass die Stadt und Unternehmen die Lohngleichheit männlicher und weiblicher Beschäftigter zu überprüfen haben. In der Schweiz ist eine solche Überprüfung bereits verbindlich, in Deutschland noch auf freiwilliger Basis.
Die Mieten in Freiburg sind zudem vergleichsweise hoch. Wir treten dafür ein, dass die Stadt einen Teil ihres Wohnungsbestands unter Mietspiegelniveau zur Verfügung stellt.
Obdachlosigkeit
Männer sind zwar überproportional von Obdachlosigkeit in Folge von Wohnungskündigung betroffen. Das liegt allerdings u.a. daran, dass sich Frauen aus Scham und Angst vor Obdachlosigkeit vielfach in Abhängigkeitsverhältnisse zu Männern begeben, die ihnen Wohnraum gewähren können. Diese „versteckte Obdachlosigkeit“ müssen wir erkennen und für Hilfsangebote sorgen, die die betroffenen Frauen auch erreicht.
Familienarbeit
Die Lebenswirklichkeit von „familiengebundenen“ Frauen und Männern unterscheidet sich auch häufig in Bezug auf familiäre Arbeit bzw. soziale Aktivitäten. So wird in der Regel immer noch der größte Teil an Erziehungsarbeit, Haushalt, Pflege der Kinder bzw. pflegebedürftiger Familienangehörige von Frauen übernommen. Diese Realität muss dringend erkannt werden, denn sie ist nicht selbstverständlich. Wir arbeiten darauf hin, dass diejenigen Frauen und Männer, die sich um familiäre Angelegenheiten kümmern, von gesellschaftlichen und kulturellen Ereignissen nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.
Männer, die sich mit Erziehungsarbeit, Haushalt und Pflege beschäftigen gelten immer noch als exotisch und müssen sich vielfach dafür rechtfertigen. Die meisten Institutionen, Organisationen und Gruppen bzw. Stellen für Erziehende richten sich immer noch vorwiegend an Frauen als zuständig für familiäre Angelegenheiten. Wir unterstützen Initiativen/Organisationen, die Männern helfen, in eine Normalität als aktiver Vater hineinzufinden.
Altersarmut
Von Altersarmut sind Frauen, gerade weil sie sich statt dem Berufsleben in der Vergangenheit überwiegend ausschließlich Familie und Haushalt gewidmet haben, überproportional häufig betroffen. Diese Frauen müssen in der Öffentlichkeit dringend mehr Aufmerksamkeit erfahren. Meist ist auch ihre Scham oder Bescheidenheit viel zu groß, um Angebote wie die Tafel anzunehmen. Hier fordern wir spezielle, kommunal organisierte und mit ehrenamtlichen Mitarbeitern ausgerüstete Unterstützungsprojekte, um ihnen die Anerkennung zu Teil werden zu lassen, die sie verdient haben.
Sicherheit im öffentlichen Raum
Die Furcht von Frauen, Opfer sexueller Gewalt zu werden, ist zu berücksichtigen und vor allem ernst zu nehmen. Fast jede Frau kennt die „harmlose“ Form, nämlich Anmachen und Anpöbeleien, wenn sie sich ohne männliche Begleitung im öffentlichen Raum bewegt. Diese „Anmachen“ können zu einem latenten Gefühl der ständigen Bedrohung führen, die bei vielen Frauen dazu führt, dass sie sich in bestimmten Gegenden nicht mehr aufhalten (wollen), abends nicht mehr gerne ohne Begleitung unterwegs sind oder Umwege gehen. Frauen ziehen sich dann eher aus dem öffentlichen Raum zurück, anstatt diesen selbstverständlich ebenso für sich zu beanspruchen.
Wir setzen uns dafür ein, den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass dieser für Frauen so wenig Barrieren wie möglich aufweist, damit diese sich genauso selbstverständlich in ihm bewegen können, wie Männer.
Häusliche Gewalt
Gewalt gegen Frauen und Kinder findet in der Regel im direkten häuslichen Umfeld statt. Diese Form von Gewalt hinterlässt bei den Opfern besonders gravierende Schäden, da sie von Menschen ausgeübt wird, die eigentlich das Gefühl von Sicherheit vermitteln sollten.
Wir setzen uns dafür ein, dass die verschiedenen Anlaufstellen gefördert und, soweit es sinnvoll ist, vernetzt werden. Ebenso müssen Stellen, die Präventionsarbeit leisten, gefördert werden.
Homosexualität
Das Gefühl der latenten Bedrohung kennen auch die meisten Schwulen und Lesben. Sie sind überproportional häufig Opfer verbaler Attacken, aber auch körperlicher Angriffe. Kaum ein Heterosexueller kann sich vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn die Menschen um einen herum mit offen gezeigter Abscheu, Hass, Misstrauen und Verunsicherung reagieren oder die versteckte Form des Naserümpfens, Gesichtverziehens, Abrückens zeigen.
Diskriminierung von Homosexuellen ist kein Kavaliersdelikt. Es sollte keine gesellschaftliche Toleranz denjenigen gegenüber geben, die Homosexualität als „krankhaft“ bzw. „unnormal“ propagieren.
Wir setzen uns dafür ein, Projekte/Organisationen zu fördern, die sich für die Rechte Homosexueller, aber auch Transsexueller und Queerer als sichtbaren und normalen Teil der Gesellschaft einsetzen.
Generell fordern wir, dass in allen gesellschaftlichen Bereichen die weibliche und männliche Perspektive berücksichtigt wird. Weiterhin fordern wir die Anerkennung der Gleichwertigkeit von Homosexuellen, Transsexuellen, Queeren und Heterosexuellen.


Antwort auf Marin: Gleichstellungspolitik
Hallo Marin, bei beiden Themen der Gleichstellungspolitik (ich werde der Vereinfachung halber jetzt von Gleichstellungspolitik reden, womit sowohl Mann-Frau-Gleichstellung als auch Homo-Hetero-Gleichstellung gemeint ist) sind wir - vom Programm her - gar nicht weit von den Bündnisgrünen entfernt. Und ich denke auch, dass bspw. die Trauung von Lesben und Schwulen im städtischen Standesamt ein wichtiges Symbol ist, um zu zeigen, dass es genauso normal ist wie die Trauung von Heteros. Symbolpolitik ist wichtig, ebenso die Bezuschussung von Einrichtungen wie Tritta, Frauenhorizonte, Wildwasser oder das Frauenhaus, keine Frage. Aber das darf nicht alles sein. Und da liegt auch die Schwierigkeit. Alle sind dafür, aber was passiert denn konkret, um Geschlechtergerechtigkeit bzw. Gleichstellung von Homo- und Heterosexuellen so weit zu fördern, dass es eines Tages einfach in der Gesellschaft normal ist? Die Frage kann ich dir nicht so einfach beantworten, denn die Lösung kenne ich selber nicht. Ich weiß nur, dass die Grundlage für den Weg dahin zuallererst darin besteht, die unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven zu berücksichtigen. Das ist natürlich immer noch unkonkret, aber um einige Beispiele zu nennen: Wir haben zusammen mit der SPD und den Unabhängigen Listen im Dezember einen Antrag gestellt, dass Kinder aus einkommensschwachen Familien Anspruch auf Bildungsgutscheine haben sollten, d.h. dass sie an außerschulischen Aktivitäten teilnehmen können (z.B. im Sportverein, Musikschule usw.), die ihre Eltern/Mütter/Väter nicht bezahlen könnten. Das entlastet v.a. die Alleinerziehenden, von denen 85% Frauen sind. Der Punkt ist bis heute nicht auf die Tagesordnung des Gemeinderats gesetzt worden. Wir haben uns auch gegen die 10%ige Kürzung im sozialen Bereich gewehrt, leider erfolglos, und genau in diesem Bereich sind Projekte angesiedelt, die für die Gleichstellungspolitik essentiell sind. Zum Beispiel Sozial- und Aufklärungsarbeit an Schulen (Aufklärung z.B. über Homosexualität, kommunale Unterstützung für Projekte wie FLUSS), Integration/Thematisierung von Homosexualität als normale Lebensform bereits in Kitas (wenn Homosexualität als normal anerkannt werden soll, dann müssen schon die Kleinkinder wissen, dass es normal ist), billiger Wohnraum für bspw. Alleinerziehende und allgemein Projekte, die sich für die Gleichstellung von Frauen, Männern, Homo- und Heterosexuellen, Queeren einsetzen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Stadtentwicklungs- und Stadtteilpolitik. Hier setzen wir auf die Zusammenarbeit mit den Betroffenen in den Stadtteilen und wissen aber auch , dass sich nicht alle engagieren (können). Vauban ist ein Beispiel für Beteiligung. Aber auch Stadtteile wie Brühl-Beurbarung oder Haslach-Weingarten dürfen wir nicht vergessen. Diese Stadtteile haben längst nicht so einen hohen Standard und die Bevölkerung dort ist nicht so homogen, was zum Beispiel das Bildungsniveau angeht. Viele von den Menschen, die dort leben, haben ein niedrigeres Einkommen. Und wenn man bedenkt, dass Frauen im Schnitt 23% weniger als Männer verdienen, allein erziehende Frauen ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko haben, wenn sie nicht ohnehin schon arm sind, dann sehe ich, dass in diesen Stadtteilen etwas getan werden muss. Stattdessen sollen, begründet mit dem neuen Mietspiegel, in den Häusern der Stadtbau die Mieten erhöht werden. Das zum Beispiel ist keine explizite Frauenpolitik, aber eine Politik, die sich sehr wohl auf das Leben von Frauen auswirkt. Und genau da liegt der Unterschied zwischen den Bündnisgrünen in Freiburg und uns. Wir befürworten nicht nur die Bezuschussung und Unterstützung spezifischer Initiativen/Organisationen/Vereine, sondern handeln auch in der Alltagspolitik nach den Grundsätzen der Gleichstellung. Ich hoffe, dass ich damit zumindest einen Teil deiner Fragen beantworten konnte. Viele Grüße von Stefanie Hochreuter
wenig Mühe gemacht
Hallo Leute,
es ist schade, dass ihr euch sowenig eigene Gedanken zum Thema Frauen politik - Homopolitik gemacht habt.
Letztendlich lese ich genau das gleiche bei den Bündnis Grünen - allerdings etwas differenzierter.
Wo unterscheidet ihr euch von der Mutterpartei bei diese sozialpolitischen Themen?
Grüße vom Marin